Auszug aus der Vereinsgeschichte des

"Glück auf"

  1885 Oberscheld

      

                              

Über den genauen Gründungszeitpunkt des Gesangvereins liegen keine ausführlichen Vereinsunterlagen vor. Dies mag daran liegen, daß in der Zeit der Vereinsgründung noch nicht alle Einzelheiten in Protokollbüchern festgehalten wurden, zumal fast alle Mitglieder einfache Bergleute waren. Was von der frühen Tätigkeit des Vereins bekannt ist, wurde größtenteils von alten Vereinsmitgliedern oder Mitbewohnern der jüngeren Generation vermittelt. So ist auch überliefert, daß der Verein bereits damals den jetzt noch aktuellen Namen "GLÜCK AUF" trug. 
Die älteste uns vorliegende Urkunde über den bereits bestehenden Verein wurde gefunden im "Sitzungsprotokollbuch des Gemeinderates der Gemeinde Oberscheld". Im Protokoll über die am 7. Februar 1885 stattgefundene Gemeinderatssitzung steht unter Punkt I wörtlich: 

 

"Soll dem Gesangverein das Gemeindehaus zur Abhaltung des Singens zu üben gestattet werden und die Sänger im Alter zugelassen werden, welche erst 15 Jahre alt sein. Beschluß: Das Gemeindehaus soll dem Verein zur Übung gestattet, aber die Jugend im Alter von 15 Jahren nicht, sondern nur von 18 Jahren zugelassen werden." 

Der erste Weltkrieg hatte die Tätigkeit fast aller Gesangvereine unterbrochen. Eine Reihe ehemaliger Sänger kehrte nicht zurück. Darüberhinaus waren in den Wirren des Krieges sämtliche Vereinsunterlagen verlorengegangen. Dies hatte zur Folge, daß der Verein am 21. September 1921 wieder einen Männerchor ins Leben rief. Der wiedergegründetet Verein fürte wieder den Namen "GLÜCK AUF". 
Im Jahre 1924 wurde in Oberscheld ein zweiter Gesangverein gegründet, welcher den Namen "ORANIEN" erhielt. Beide Vereine nahmen erfolgreich an Gesangswettstreiten und Kritiksingen teil. Im Jahre 1934 wurden beide Vereine aufgrund eines Erlasses der damaligen Regierung zusammengeschlossen. Der zusammengeschlossene Verein erhielt den Namen "MÄNNERGESANGVEREIN 1921 OBERSCHEL". 

NachAusbruch des zweiten Weltkrieges wurden die jüngeren Mitglieder zum Wehrdienst gerufen, aber auch ein Teil der älteren Sänger wurde in die auswärtige Rüstungsindustrie versetzt. Mit den wenigen noch verbliebenen Sängern wurde 1942 mit einem gemischten Chor beim Gruppensingen in Haiger eine sehr gute Kritik erzielt. Auch wurde im Lazarett in Herborn ein Konzert gegeben. 
Nach weiteren Einberufungen mußten die Männer das Singen einstellen. Im letzten Kriegsjahr wurde dann der Frauenchor gebildet, der dann noch im Lazarett Lieder vortrug.

Die gesund aus Krieg und Gefangenschaft heimgekehrten Sänger nahmen 1946 die Gesangsproben wieder auf. Bei der Jahreshauptversammlung wurde dem Verein sein Traditionsname "GLÜCK AUF" wiedergegeben. 
Das erste Gesangskonzert nach dem Kriege konnte am 14. Mai 1950 unter der Leitung des verdienten Chorleiters, Herr Bromm, von Frauen-, Männer- und gemischtem Chor durchgeführt werden. 
In den folgenden Jahren konnten regelmäßig Konzerte und Theterstücke aufgeführt werden, auch wurde an den Veranstaltungen des Dill-Sängerbundes und der Nachbarvereine teilgenommen. Der erste größere Ausflug führte den Verein 1965 nach Berlin. 
1973 unternahen wir eine Fahrt mit Liedvorträgen nach Wertach und Insbruck. Als erster Verein des Dill-Sängerbundes führten wir 1979 einen Gesangswettstreit aller Ortsvereine durch. 

Eine starke Leistungssteigerung erfuhr der Verein ab 1981 durch die Tätigkeit des jungen Chorleiters Uwe Berkemer. Dies schlug sich deutlich in den Ergebnissen bei den Kreis-Leistungssingen nieder, wo mehrmals erste Plätze erreicht wurden. Zu dieser Leistungssteigerung trugenauch die von unserem Verein erstmals im Bereich des Dill-Sängerbundes durchgeführten ein- oder mehrtägigen Gesangsseminare bei. 
Das Jubiläum zum 100jährigen Bestehen unseres Vereins wurde vom 24. August bis 2. September 1985 mit einem großen Sängerfest begangen. 

Im Jahr 1986 folgten wir einer Einladung der "Rheingold-Sänger" in Prince George zu einer Konzertreise nach British Columbia/Canada. Außer erfolgreichen Konzerten von sehr aufmerksamen Zuhörernin den Städten Prince George, Kelowna, und Nanaimo gaben wir während deer Weltausstellung in Vancouver ein Konzert mit deutschen Volksliedern. Liedvorträge erfolgten auch an vielen Punkten entlang der herrlichen Strecke durch die Nationalparks in den Rocky Mountains und auf Vancouver-Island, sogar in den Flugzeugwerken BOEING in Seattle/USA. Mit den Sängerinnen und Sängern der dort besuchten Clubs, welche als Mitglieder des Nordpazifischen Sängerbundes dem Deutschen Sängerbund angehören, bestehen seitdem enge Freundschaften. Im Jahre 1992 hatten wir die "Kelowna-Liedertafel" zum Gegenbesuch und einem gemeinsamen Gesangskonzert in Oberscheld eingeladen. 

Hereford/England, eine der Partnerstädte von Dillenburg, war 1990 erstmals Ziel einer Konzertreise. Ein gemeinsames Konzert mit dem dortigen Chor "GILBERT & SULLIVAN SOCIETY", sowie Liedvorträge zum Gottesdienst in der lutherischen Kirche wurden die Basis für neue Freundschaften. Nach einem Gegenbesuch 1991 mit dem gemeinsamen Konzert in Oberscheld war unser Chor 1993 erneut zu einer Konzertaufführung in Hereford. Es folgten weitere Besuche im Sommer 1994 mit einer Aufführung der Operette "HMS Pinafore" und "Trial By Jury" im September 1997. 

Unsere Vereinsarbeit steht unter den Wahlsprüchen unserer beiden Fahnen: 

In Freud und Leid zum Lied bereit

und

Im Klange der Töne erblüht das Schöne

sowie im Sinne unseres Vereinsnamens, der auch der Gruß unserer Heimat ist: 

GLÜCK AUF! 

Manfred Menz 1997

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